Von Hamburg in den Bush


Weit und hoch spannt sich ein makellos blauer Himmel über den Südwesten von Westaustralien. Eine kräftige Brise aus dem Süden hat die Wolken weggefegt. Von der kleinen Kuppe am Rand der sandig-roten Offroadpiste blicken wir auf ein Meer von Grün, das sich am Horizont mit dem Blau des Southern Ocean vermählt. 3300 Quadratkilometer Busch, wild und undurchdringlich: der Fitzgerald River National Park. Einzig ein paar Blütenstände der seltenen Hakea Victoria ragen neben uns aus dem Dickicht. In der Ferne erheben sich Hügel, die größer, wie richtige Berge, wirken: der East Mount Barren mit 311 Metern, den Mid Mount Barren mit 451 Metern und der West Mount Barren mit 340 Metern Höhe.

„Was hat euch denn nur in diese Wildnis verschlagen“, frage ich abends Karin und Carsten beim gemeinsamen Essen. Das Paar ist am Tag der deutschen Einheit 2003 nach Australien ausgewandert. Und fand 14.243 km südlich ihrer norddeutschen Wiege eine neue Heimat. Karin, Jahrgang 1970, hatte als Lehrerin für Hauswirtschaft und Religion in Hamburg gearbeitet, ihr Mann, 1968 in Hamburg geboren, als IT-Spezialist. „Mein Vater hatte viel in Queensland gearbeitet. Meine Geschwister wurden dort geboren, meine Mutter wollte aber zurück nach Deutschland. Doch die Liebe zu Australien hat mir mein Vater in die Wiege gelegt.“

In Australien angekommen, haben beide zunächst das ganze Land bereist, immer auf der Suche nach dem Fleckchen Erde, das ihnen nicht nur spontan gefiel, sondern auch eine Zukunft fand. Im Westen des Fitzgerald River National Park wurden sie schließlich fündig.  „Wir haben dort alte Homestead entdeckt, die zum Verkauf stand. Ursprünglich sollte sie 1,2 Mio. AUD kosten.  Im Laufe der Verkaufsverhandlungen wurde der Preis aber deutlich gesenkt“, erzählt Carsten.

1858 wurden die ältesten Gebäude der Hofanlage erbaut, 1940 die jüngsten – allesamt aus großen Feldsteinen, mit tief heruntergezogenen Dächern und Veranda. Wilder Wein rankt an einer Pergola; ein Rattansofa und ein kleiner, runder Tisch vor unserem Zimmerzugang laden zum Verweilen ein. Im Innern unseres Doppelzimmers stehen zwei Einzelbetten, Tisch und Stuhl, beim Nachbarn ein großes Doppelbett neben einer Küchenzeile. Licht liefern Ökoleuchten, den Strom eine Solaranlage. In der Karaffe: frisches Brunnenwasser, herrlich kühl. Dazu ein Bad, einfach sympathisch in seiner natürlichen Schlichtheit. Ich setze mich nach draußen, sehe, wie die tief stehende Sonne die Steine der alten Häuser leuchten lässt. Lasse Augen und Gedanken wandern.

„Kommt, lauft los, noch hab ihr Licht!“ In Shorts steht Karin vor mir, eine kleine Karte in der Hand. „Unser Naturlehrpfad fängt da vorne an – bei der Teekanne, die wir als Kasse für Besucher des Nature Walks aufgestellt habe.“ Fast 16 Hektar groß ist das private Buschland, das die Farm umgibt. Wir tauschen die Sandalen gegen unsere buschbewährten Blundstones und laufen los. Der Sand knirscht unter den Sohlen, macht das Gehen anstrengender als gedacht. Schilder mit kurzen Infos zur Tier- und Pflanzenwelt begleiten uns. Dann taucht plötzlich ein Turm auf. Lara und ich klettern hinauf. Was für eine Aussicht!

Im letzten Licht sind wir zurück. Vor dem Haus von Karin und Carsten hockt ein Känguru. „Wir haben es gefunden, als es ganz klein war, und aufgezogen. Jetzt kommt es immer noch zum Füttern. Wir geben ihm jetzt aber nur ganz wenig.“ Es scheint sich jedoch unter den Kängurus der Region herumgesprochen haben, dass es am frühen Abend am Quaalup Homestead Wilderness Resort eine tierisch gute Vorspeise gibt. Kaum ist Carsten mit dem Futtereimer zurück gekehrt, ist der Rasen bevölkert von großen und kleinen Hüpfern.

Meine Reisetipps: Quaalup Homestead & Fitzgerald River National Park

Hinkommen

Das Quaalup Homestead Wilderness Retreat liegt rund 190 km östlich von Albany. Aus Perth, Albany, Stirling Ranges, Esperance auf dem Highway kommend, nehmt erst die Devils Creek Road, dann die Swamp Road zur Hofstelle. Beide Schotterstraße werden regelmäßig planiert.

• Quualup Homestead, Buchung: per Mail an richelmann@web.de oder per Tel. 08 98374124.

GPS: WGS 84; 34° 15.602’S; 119° 24.603’E (kann sein, dass die Signalstärke nicht ausreicht – nehmt lieber Karten!)

Eure Unterkunft

Einfache, saubere Zimmer und Hütten für 2-7 Personen mit Solarstrom und fließend Wasser; Camping & Caravan.

Was könnt ihr unternehmen?

Der Fitzgerald River Nationalpark zwischen Bremer Bay und Hopetoun, von der UNESC als Welt-Biosphären-Reservat anerkannt, ist berühmt für seine Flora. 1.784 Pflanzenarten wurde bislang im Park gefunden, 75 gibt es nur dort – darunter die Hakea Victoria und die Quaalup Bell.

Von Juli bis Oktober kommen die Southern Right-Wale in die Bucht von Point Ann, um zu kalben und ihren Nachwuchs aufzuziehen. Der Strand gehört zu den schönsten Badeplätzen Australiens! Dass auch die Vogelwelt recht vielfältig ist, merkt ihr spätestens beim morgendlichen Konzert zum Sonnenaufgang. Raritäten unter den mehr als 200 Arten sind der Hooded Plover, Western Bristlebird und der scheue Western Ground Parrot.

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