Perth: Aufbruch im Westen 2


Makellos blau ist der Himmel über Perth. 362 Tage herrscht Mittelmeerklima in der isoliertesten Großstadt der Welt. Bali liegt näher als Sydney, 2.700 Kilometer Wüste trennen die westaustralische Hauptstadt vom Nachbarn Adelaide. Wen wundert es da, dass die Uhren in der Metropole am Swan River anders ticken als im restlichen Australien. Anders ist auch das Wahrzeichen des größten Bundesstaates: Die Schwäne gleiten nicht weiß, sondern pechschwarz auf dem Swan River hin und her. Im Kings Park, 404 Hektar Buschland mitten in der Stadt, lassen sich Brautpaare vor der Skyline der City fotografieren. Die Hightech-Hochhäuser künden vom verborgenen Reichtum Westaustraliens: Gold, Eisenerz, Diamanten und andere Bodenschätze machten Perth zur Stadt der Millionäre.

Stadt des Lichtes

Als 1962 der Astronaut John Glenn die Erdkugel umkreiste, grüßte ihn Perth mit einer leuchtenden Geste: Alle Bewohner schalteten gleichzeitig ihre Lichter an. Als einziger Lichtpunkt leuchtete die Stadt im All. Tief berührt, taufte der Astronaut Perth als „City of Light“ – einen Namen, den sie bis heute stolz trägt.

Das Zentrum der Kapitale lässt sich gut zu Fuß oder mit den kostenlosen Bussen von Central Area Transit (CAT) erkunden. Die ockerfarbene St. Mary’s Cathedral am Victoria Square entstand als Erweiterung der 1844 erbauten St. John’s Chapel, einer kleinen katholischen Kirche mit Schindeldach. In der nahen Perth Mint (1899) werden noch heute sämtliche Gold-, Silber- und Platinmünzen Australiens geprägt. Rings um die parkartigen Stirling Gardens konzentriert sich die weltliche und geistliche Macht: das Government House (1864), der Supreme Court, das Treasury Building (1874/1905) und das Council House der Stadtverwaltung.

Die Town Hall (Rathaus, 1867) an der Barrack Street ziert ein ungewöhnlich großer Uhrturm. Hinter der georgianischen Deanery (1859), einst Wohnsitz des anglikanischen Bischofs Matthew Hale, ragt der Turm der St. George’s Cathedral auf. Die kirchenähnliche Old Perth Boys School (1854) an der St. George’s Terrace beherbergt heute eine kleine Galerie, ein Teehaus und einen Souvenirladen des National Trust. An der Ecke zur King Street erhebt sich strahlend weiß der Prunkbau des „Maj“. His Majesty Theatre ist die einzige noch erhaltene edwardianische Bühne Australiens und wurde 1904 vollendet. Shopaholics zieht es zur Hay Street Mall, die über Passagen und Kaufhäuser mit der zweiten großen Einkaufsmeile der Stadt verbunden ist: Murray Street.

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Perth erfindet sich neu

Wer vor ein paar Jahren von dort hin zum angesagten Ausgeh- und Kulturviertel Northbridge breite Schienenstränge auf hohen Brückenwegen überqueren musste, blickt heute auf eine Megabaustelle, die das nördliche Northbridge, 100 Jahre lang durch die Bahn vom Zentrum getrennt, wieder mit Perth vereinen soll. Dazu wird der Busbahnhof „Wellington Street Station“ in den Untergrund gelegt, die Bahnlinie nach Fremantle an die Lake/King Street verlegt und der hässliche Betonklotz des Entertainment Centre abgerissen. Bummeln, Shoppen und Kultur statt Verkehrslärm und Gestank: Anfang 2017 soll dies auf dem 13,5 Hektar großen Grundstück mit dem  Yagan Square im Herzen Wirklichkeit werden. Der Perth Cultural Precinct von Northbridge soll zudem ein neues, rund 22.000 qm großes WA Museum erhalten. Bis 2020 werden dazu 428 Mio. australische Dollar investiert. „Experience the Extraordinary“: Den touristischen Slogan von Western Australia hat sich auch Perth zu Eigen gemacht und will sein Image einer reichen, aber langweiligen Hauptstadt ablegen. Überall wird gebaut, gebuddelt und in die Infrastruktur investiert. Und mitunter – wie der neuen Arena – auch ausgefallene Architektur gewagt.

Die neue Waterfront

Und das nicht nur in der City, sondern auch am Swan River, dessen stadtseitiges Ufer eine Verkehrsschneise mit 0815-Grünstreifen war. Herzstück der Neugestaltung ist der Elizabeth Quay, mit dem sich die Großstadt wieder dem Fluss zuwendet. Zwischen Barrack Street und William Street wird dazu der Uferbereich des Swan River auf zehn Hektar komplett neu gestaltet. Im März 2016 wurden erste Teilbereich eingeweiht, 2022 soll das staatliche Megaprojekt abgeschlossen sein.

Neben 1.700 Wohnungen, 150.000 qm Bürofläche und 39.000 qm Einzelhandelsfläche entstand inzwischen als Erholungs- und Freizeitbereich eine 2,7 Hektar große Bucht, die östlich der Barrack Street Jetty ausgehoben wurde. Gesäumt von Palmen und stattlichen Feigenbäumen, lädt seit 2016 neue Promenaden zum Flanieren. Ein Ziel könnte „The Island“ sein, eine Garteninsel mit traumhaftem Stadtblick – und dem nostalgisch wirkenden Florence Hummerston Kiosk.

Zur vollen Stunden gesellt sich Glockenklang zum Gespräch: die Swan Bells erklingen. Das „Carillon“ mit 18 Glocken schenkte sich Perth zur 200-Jahrfeier Australiens – die Aussichtsplattform des Bell Tower in mehr als 80 m Höhe ist der beste Ort, um über den Bauzaun zu blicken. Und wer mag, darf gegen harte Dollar auch einmal selbst die Glocken läuten…

Ebenfalls am Fluss wird im Zuge der Revitalisierung das neue Perth Stadium auf der Burswood-Halbinsel gebaut Zur Beginn der AFL-Spielzeit 2017/18 soll die Sportstätte fertig gestellt sein. Dann können dort bis zu 60.000 Zuschauer nicht nur die Spiele der Fremantle Dockers in der Australian Football League (AFL) erleben, sondern auch internationale Stars bei Konzerten – dafür fehlten bislang in Perth geeignete Räumlichkeiten.

Neue Hotels

Die Boomtown Perth, die seit Jahrhunderten ihren Wohlstand dem Rohstoffreichtum Westaustraliens verdankt, ist längt auch für die internationale Hotellerie zum „hot market“ aufgestiegen. InterContinental Hotels Group (IHG) hat in Perth nicht nur Australiens erstes Holiday Inn Express mit 224 Zimmern eröffnet, sondern will bis 2017 auch das heruntergekommene Rydes-Hotel zum luxuriösen InterConti-Hotel mit 240 Zimmern machen. 2018 will das erste Ritz-Carlton von Westaustralien direkt am Swan River und dem revitalisierten Elizabeth Quay in der westaustralischen Hauptstadt mit 204 Zimmern eröffnen; 2017 soll das Westin an der Hay Street 480 mit 362 Zimmern folgen. An der Cathedral Avenue 1 hat die Luxuskette Como Resorts & Hotels aus Singapur das ehemalige Schatzamt für 680 Millionen australische Dollar in das Sechssternehotel Como The Treasury mit 48 Zimmern und Suiten verwandelt, die Kerry Hill in zeitgenössischer Klassik stylte – mit tiefen Duobadewannen von Kaldewei im Bad. Nahezu abgeschlossen ist die Neugestaltung des Hotelumfelds als Cathedral & Treasury Precinct – mit dem Neubau der City of Perth Library, der Modernisierung des Public Trustee Building, dem Abriss des Playhouse Theatre, der Sanierung der St. Georges Cathedral und neuen Restaurants, Cafés und Geschäften.

Baden in der City

Und schließlich soll auch Perth (Brisbane, Cairns und Darwin haben es vorgemacht) endlich einen eigenen Stadtstrand erhalten– als Schmuckstück des Riverside Precinct. Bis 2020 werden 40 Hektar Uferland am Swan River als östlicher Zugang zur City völlig neu gestaltet – mit 600 Wohnungen in zwei hohen Wohntürmen, einem Hotel und einer „Dining Pier“ als Schlemmersteg mit Blick auf den Swan River und die Fähre, die künftig dort anlegen soll. In Northbridge, Mount Lawley und anderen In-Vierteln sprüht die Bar- und Restaurant-Szene in Australiens sonnigster Großstadt schon jetzt vor Leben – mit kleinen Bars, Pop-Up-Läden, Food Trucks, bunten Märkten und Indie-Restaurants wie Bivouac Canteen & Bar, in der nur serviert wird, was die familiengeführte Farm von Anthony Princi liefert.

Airport-Ausbau

Last, but not least, wird auch der Flughafen von Perth für 750 Mio. australische Dollar ausgebaut und modernisiert. Bereits fertig gestellt ist Terminal 2, in dem hauptsächliche Flüge innerhalb von Western Australia und eine Handvoll Strecken in andere Bundesstaaten abgefertigt werden. Umfangreich ausgebaut und modernisiert wurde bis Anfang 2016 auch der Bereich für internationale Reisende –  von den neuen Fluggaststeigen für die A380 geht es jetzt per Rolltreppe zur Immigration ins Obergeschoss, wo die Zahl der Abfertigungsschalter verdoppelt wurden. Die neuen ePass-Gates gelten jedoch leider nur für Australier und ePass-Inhaber aus den USA, Großbritannien. Und Russland. Für EU-Bürger hat die Warterei bei der Einreise via Perth immer noch kein Ende.

Perth: meine Reisetipps

Schlafen & schlemmen

The Nest

• 172 Newcastle St, Perth WA 6000, Tel. 08 61 51 40 00, www.thenestonnewcastle.com.au

The Alex Hotel

• 50 James St, Perth WA 6000, Tel. 08 64 30 40 00, https://alexhotel.com.au

Tuck Shop Café

• 178 Newcastle St, Perth WA 6000 Tel. 08 92 27 16 59, https://www.facebook.com/Tuck-Shop-Cafe

Erleben

Perth International Art Festival (PIAF), Musik, Theater, Kunst und mehr – alljährlich im Februar

Perth Comedy Festival, Standup-Comedy, Mai

Revelation Perth International Film Festival, Juli

Perth Fashion Festival, September

Rooftop Movies, Oktober – April

Stadtteile für Entdecker

Spannender als der CBD sind die Stadtteile. Northbridge ist der Vorzeige-Szenestadtteil. Doch traut euch auch mal hier hin:

Claremont: Fashionistas pilgern hier zu Westaustraliens Modemachern Poppy Lissiman und Alvin Fernandez.

Subiaco: Bummelt die Rokeby Road und Hay Street entlang – vorbei an vielen inhabergeführten, oftmals ausgefallenen Läden und Boutiquen. Mittenmang: Bars & Cafés wie das Bistro des Artistes. Und schaut einmal bei der Little Wing Corner Gallery rein!

Mount Hawthorn:  Perth kann Jazz – im Jazz Cellar. Live, mitreißend und überraschend günstig (25 AUD /2016)

Leederville: Aussie-Bohème-Viertel mit einer Legende: dem Kailis Brothers Seafood Market

North Perth: Live-Musik von örtlichen Talenten könnt ihr hier im Rosemount Hotel entdecken!

West Perth: die Heimat des Kings Park – und der Gordon Street Garage, wo der Café vor Ort geröstet ist.

East Perth: eine City Farm, ein Bauernmarkt am Samstag und die West Australian Cricket Grounds (WACA), seit 1895 Kult (und heute mit Museum). Hunger: Auf der Royal Street findet Ihr viele Lokale!

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2 Gedanken zu “Perth: Aufbruch im Westen

  • Toby

    Ich fand Perth jetzt auch nicht so spannend… aber nun gut, ich bin mittlerweile eh nicht mehr so der Stadt-Typ. Aber im Vorfeld haben wir auch so viel Gutes gehört, da waren wir ein wenig enttäuscht. Was soll’s, trotzdem ein super Artikel!
    Weiter so, alles Liebe wünscht
    Tobias
    http://www.AroundWorld.de