Brücken schlagen 1


VIC_Melbourne_Docklands_Webb Bridge_2_Wikipedia CommonsSeit der Jahrtausendwende ist in Australien aufregende Architektur entstanden – besonders die neuen Brücken, die Radfahrern und Fußgängern vorbehalten sind, begeistern mich. Allen voran die Melbourner Webb-Bridge (2003), die sich in Form einer Aalreuse der örtlichen Koori-Aborigines über den Yarra-River spannt und die Wohnbauten von Yarra’s Edge mit den restlichen Docklands verbindet.

VIC_Melbourne_Docklands_Webb Bridge_wikipedia commonsEntworfen wurde die weich geschwungene Verbindung, die im spannungsreichen Kontrakt zur kantigen Bebauung des einstigen Hafengeländes steht, von Denton Corner Marshall, der mit dem Robert Owen und den Ingenieuren von Arup zusammenarbeitete, die dessen  künstlerische Idee in Stahl umsetzten – wie bereits einst beim Sydney Opera House.

Wenige hunderte Meter weiter flussaufwärts überspannt seit Ende 2009 die Seafarers Bridge den Yarra und schafft eine fußläufige Verbindung zwischen der Siddely Street am Nordufer und dem Melbourne Convention Centre. Ihr Name erinnert an die Melbourne Seemannsmission, die seit 1905 rund 12.000 Seeleuten pro Jahr eine Heimat in der Ferne bietet. Ihre Architektur mit drei epileptischen Bögen entwarf Nicholas Grimshaw von Grimshaw Architects aus London, die in Melbourne bereits für den Neubau der Southern Cross Station (Spencer Street) verantwortlich zeichneten – und in Südengland für die Kuppeln des „Eden“-Projektes.

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Neue Brücken schlägt auch Brisbane. Die Goodwill Bridge (2001) entstand als sportliche Verbindung mit eindeutig markierten Geh- und Laufrichtungen zwischen dem Gardens Point Campus der University of Queensland und dem botanischen Garten am Nordufer und den South Bank Parklands und dem Graduate Campus der Griffith University am Südufer des Brisbane River. Die 450 m lange Brücke, die rund zwölf Meter hoch über dem Fluss schwebt, wurde von Cox Rayner entworfen und drei Monate lang flussabwärts erbaut, ehe sie als Ganzes mit Schuten zum Standort gebracht und von zwei Schwerlastkränen aufgestellt wurde. Ihr Highlight sind mehrere Aussichtsplattformen mit Bänken – an einer brüht ein mobiles Café Tee und Café auf. Die Architektur hingegen stieß wegen ihrer Asymmetrie nicht auf ungeteilte Zustimmung. Die einen lobten sie als Kunstwerk, andere kritisieren sie als Monstrum.

QLD_Brisbane_kurilpabridge_Wikipedia commonsDeutlich eindeutiger fiel die Zustimmung zur Kurilpa Bridge (2009) aus. Sie verbindet die Gallery of Modern Art (GOMA) in den South Bank Parklands mit Tank Street im Central Business District und wurde 2011 als  World Transport Building beim World Architecture Festival ausgezeichnet. Für ihre Konstruktion nach dem Tensegrity-Prinzip arbeitete Cox Rayner in Zusammenarbeit mit Tristram Carfrae von Arup zusammen – und schuf so die weltgrößte Struktur einer Architektur, bei der sich die Einzelelemente durch Druck und Zug selbst stabilisieren. Bei der Kurilpa Bridge ähneln die starren Tragwerke aufgestellten Stricknadeln, die durch Fäden (Zugseile) verbunden sind – so entstand eine leichte, filigrane und doch sehr stabile Konstruktion. Der Begriff Tensigrity (aus dem englischen tension (Spannung) und integrity (Ganzheit) ab ist ein Kunstwort, das Richard Buckminster Fuller erstmals geprägt hat. Fuller (1895 – 1983) zählte neben Santiago Calatrava zu den führenden Vertretern einer amorphen Architektur.

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