Foragers: Feldküche im Forst


Hinter dem Farmland am Blackwood River, größter Strom des Südwesten, beginnt der Märchenwald der Southern Forests, wo 300 Jahre alte Baumriesen Spalier stehen  – der längste Karri-Baum, der der hier gefällt wurde, maß 104 Meter! 40 dieser Baumgiganten dienen als Ausguck für Waldbrände, andere bieten reichlich Adrenalinkicks. Das Herz des Karri-Country, dass sich bis Walpole an der Küste erstreckt, schlägt in Pemberton, wo die nostalgische Pemberton Tramway mit Dampflok und offenen Waggons durch die Karri-, Marri- und Jarrahwälder schauft.

Sechs Kilometer außerhalb der Holzfällersiedlung duckt sich unter den Baumgiganten tief im Wald Foragers, Farm, Feldküche, Kochschule und komfortables Hideaway mit sechs Hütten.„Mich hat es hierher gezogen, weil ich unter den Produzenten leben wollte, die direkt mit dem Land verbunden sind“, sagt Sophie Zalokar, die 1985 bis 19889 bei Maggie Bear im Barossa Valley das Kochen lernte, die Welt bereiste und mit Chris, ihrem Schweizer Mann, die südaustralische Heimat für den wilden Westen verließ. Erst nach Perth, wo ihre beiden Kindern Louis und Anja geboren wurden, 2005 nach Pemberton. „Chris und ich wollten raus aus der Stadt, wieder zurück aufs Land, wo wir beide aufgewachsen sind. Und so sind wir hierher gekommen. Ist es nicht faszinierend, das Menschen aus 52 Nationen im Southern Forest leben… und es so starke kulinarische Traditionen aus Italien und Mazedonien gibt?“

Spricht’s und schnappt sich den Mangold, der bei ihr im kleinen Küchengarten wächst – wie auch Quitte, Granatapfel und Rote Beete. Am Hühnerstall, in dem ein Hahn die Hennen scheucht , rankt eine Passionsfrucht am Zaun.

Sophie steht in ihrer „Field Kitchen“, einem rustikalen Blockhaus, das ihr Mann komplett saniert und ausgebaut hat – als Showküche mit einer Handvoll Tische, an der sich freitags eine Handvoll Kochfans versammeln, um zuzuschauen, was Sophie für das abendliche Dinner zubereitet. Dank eines Spiegels könnt ihr direkt in die Töpfe schauen. Die Lampen fand Chris in der alten Bowling-Bahn von Pemberton und arbeitete sie auf.

Einmal im Monat hält Sophie ihre „Cooking Classes“ ab. „Auch, wenn mein Garten einiges liefert – das Gros der Erzeugnisse, die ich verarbeitete, beziehe ich von örtlichen Produzenten – das Gemüse aus Northcliffe, die Trüffel aus Mangimup, Avocado von meinem Nachbarn, der Richtung Pemberton eine große Avocado-Plantage hat!“ Nur einmal pro Jahr heißt es „hands-on“ bei den Kochabenden– beim Brotbacken und beim Schlachten. Die restlichen Abenden sind reine „demonstrations“: Sophie zeigt es und verrät, wie es am besten gelingt. Das Menü: keine Haute-Cuisine, sondern einfache Gerichte mit einer besonderen Note, die jeder daheim kinderleicht nachkochen kann.

Das Menü heute: ein Ricotta-Spinat-Pie mit versunkenen Eiern aus hauchdünnem Filo-Teich, gefolgt von einer Pide mit Hummus und Lamb. Der süße Abschluss: eine süße Rolle mit Feige, Himbeere und Schokoladen-Tropfen, zu der Sophie flüssige Sahne serviert – aber auch Vanillesooße oder Eiskrem passen gut dazu. Viel hat Sophie vorab vorbereitet, denn Zeit zum Schlemmen soll auch noch sein zwischen 18 und 21 Uhr.

Zwei der Gästen haben im Dunkel der Nacht einen sehr kurzen Heimweg: Sie haben sich für die Nacht in eines der sieben Chalets einquartiert, die im weiten Bogen eine große Wiese mit Blick auf den Wald säumen. Drinnen lässt Ikea grüßen.

Meine Reise-Tipps: Foragers & Southern Forests

Kochschule & Unterkunft

WA_Sophie Zalokar_Southern-Forests_Cover_smallForagers, 1 Roberts Road, Pemberton WA 6260, Tel. +61 8 97 76 15 80, www.foragers.com.au

Für alle, die ihre Rezepte nachkochen möchte, hat Sophie 2014 ein Kochbuch herausgebracht – 392 Seiten voller Rezepte mit Erzeugnisse der Southern Forests. Wer es bestellen möchte – ISBN 9781742585512,59,99 AUD, zu bestellen u.a. hier: http://uwap.uwa.edu.au/products/food-of-the-southern-forests.

Weitblick über die Wipfel

Den gigantischen Karribäumen könnt ihr beim Tree Top Walk im Valley of the Giants auf den Kopf, pardon, die Krone schauen – der 600-Meter-Weg leitet in 40 m Höhe durch die Wipfel. Beim Gloucester Tree führen kleine Stufen im Stamm hinauf zur Aussichtskanzel in 60 m Höhe. Noch mehr Weitblick gibt’s vom 1.095 m hohen Bluff Knoll in der Stirling Range – vom Schwitzen beim Aufstieg lenkt ein 5 km langer Rundkurs zur Flora und Fauna ab.

Weit-Wandern durch den Wald

Fernwanderer marschieren vom Perther Vorort Kalamunda nach Albany auf dem fast 1000 km langen Bibbulmun Track.

© Fotos: Hilke Maunder

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