Kreuz und quer durch die Barkly Region


Sie ist so groß wie Norwegen – doch viel einsamer: Die Barkly Region ist mit 322.513 Quadratkilometer die zweitgrößte LGA (Local Government Area) Australiens und touristisches Neuland. Das wollen seine 8.137 Einwohner ändern. Und trommeln für die Attraktionen des weiten Tafellandes 900 km südlich von Darwin.

Eine sanfte Brise streicht durch das goldfarbene Mitchellgras, das sich bis an den Horizont erstreckt. Einige Rinder streifen umher, nähern sich der rotbraunen Erde am Fahrbahnrand. Der Road Train hupt und donnert vorbei. Caravan um Caravan kriecht in seinem Gefolge. An der Grenze des Northern Territory zu Queensland klicken Kameras und Handys, dann setzt die Karawane der Grey Nomads ihre Fahrt fort, hin zum Gulf von Carpentria, wo sie überwintern.

Der spröde Charme der Road Houses

Die Serviceeinrichtungen am Barkly Highway, der der alten Viehtreiber Route „Overlanders Way folgt, sind weit mehr als Tankstellen: legendäre Treffpunkte – von der Barkly Homestead, deren Aluhütten am Knotenpunkt von Overlander’s Way und Tablelands Highway ein Kamel an einem Kaktus schmückt, bis zum Renner Springs Road House, das bis heute das Ambiente der Armeehütte aus den 1950er Jahre bewahrt hat, und dem Threeways Road House mit seinem Road Train in XXL auf der Fassade.

Drinnen schmücken Hunderte Caps, viele mit fetten Filzstiften handverziert, und Akubrahüte die Bar. Es riecht nach Frittiertem und Kaffee, im Kühlschrank ruhen Gläser und Bierdosen – der Gerstensaft wird so kalt serviert, dass einem die Speiseröhre gefriert. Die Toiletten unterscheiden „Sheilas“ und „Blokes“, das Toilettenpapier baumelt an einem Bindfaden, mit einem Haken in der Tür befestigt. Outback-Ambiente, einfach, unverfälscht, authentisch.

Tierisches Terrain

Immer stärker bläst jetzt der Wind aus dem Süden, zerrt an den Fahnen, trocknet das Land aus. In dieser Einöde, in der Rinderfarmen die Größe der Schweiz erreichen, lebt eine 120 cm lange Echse, die sich so gut den fahlen Farben der Natur angepasst hat, dass wir sie zunächst nicht sehen: Wütend faucht uns der Spencer-Waran an, peitscht seinen Schwanz, der fast die Hälfte der Körperlänge ausmacht, auf dem ausgetrockneten Boden. Später entdecken wir eine Bartagame auf einem Strauch. Und kleine Echsen mit lustigem Namen: „Nuckelchen“, wie der Tenophorus Nuchalis auf Deutsch genannt wird.

Dort, wo es im kargen Buschland Wasser gibt, kam 1860 John McDouall Stuart auf seiner Expedition vorbei. Aus Dankbarkeit, endlich Wasser gefunden zu haben, benannt er den kleinen Creek nach einem finanziellen Unterstützer seiner Mission: John Tennant. 1872 wurde eine behelfsmäßige Telegrafenstation am Tennant Creek erbaut, zwei Jahre später hatte Australien dank der „Transaustralischen Telegrafenleitung“ Anschluss an die Welt gefunden.

Herz aus Gold

Und rund um die Telegrafenstation, heute die bekannte Touristenattraktion des Ortes, entwickelte sich eine kleine Siedlung, die 1932 den letzten Goldrausch in Australien erlebte – und ihr den werbewirksamen Spitznamen „Heart of Gold“ einbrachte. Entdeckt wurde das Gold von einem Deutschen: Otto Wehnert. Durch seine „Dot Mine“ führt heute Colonel Bremner, der die Lizenz übernahm und abends am Lagerfeuer vom Goldrausch erzählt. Herausgeholt aus dem Stein wurde das edle Metall in der Gold Stamp Battery, die bei Führungen wieder in Betrieb gesetzt wird.

Zwölf Kilometer außerhalb könnt ihr vom Ausguck einen Blick in die Nobles Nob Mine werden, bis zu ihrer Stilllegung 1985 der goldreichste Tagebau Australiens. Im aufgelassenen Goldminengebiet Moonlight Rockhole Fossicking Area bei Warrego darf heute jeder nach Gold schürfen, der ein Miners Right hat – die Schürflizenz für gibt es für wenige Dollar online beim Department of Mines and Energy.

Industriell werden heute neben Gold auch Kupfer, Wismut und Bauxit gefördert. Nördlich von Tennant Creet exportiert die Bootu-Mine Mangan nach China. Phosphat wird 250 km östlich in Wonarah gefördert.  

Suff und Gewalt

Mit rund 3000 Einwohnern ist Tennant Creek heute die fünftgrößte Stadt im Northern Territory. Die weißstämmige Bevölkerung hat ihre Villen hinter hohen Mauern unter tief hinab gezogenen Dächern gebaut. Die andere Hälfte wohnt in Aluhütten, die sandige Straßen säumen – mitten im Stadtzentrum. Sie hockt auf Bänken und Tischen, sitzt auf dem Erdboden, immer in kleinen Gruppen. Hier Frauen, dort Männer, dort eine gemischte Gruppe Jugendlicher. Aus dunklen Augen beobachten sie das Treiben auf der Straße.

Im Supermarkt ist das helle Toastbrot, das in den Ritterkörben liegt, noch fast gefroren. Wie auch das Fastfood, das in Truhen mit dicker Eisschicht liegt. In schnöden Metallregalen stapeln sich Konserven und vorfabriziertes Industrieessen; Werbesprüche der 1950er-Jahre in verblichener Farbe schmücken vergilbte Wände. Frisches Obst oder Gemüse? Fehlanzeige. Unter dem Flackern der Neonröhren wird der Einkauf ein bedrückendes Erlebnis.

Plastik statt Glas

In kaum einer anderen australischen Stadt ist mir die miserable Lebenssituation der Aborigines so deutlich vor Augen geführt worden wie in Tennant Creek. „Wir verkaufen nur Plastikflaschen und Tetrapacks“, erzählt mir der Inhaber des Bottle Shops am Highway, der mitten durch die Stadt führt. „Früher, als es noch Glasflaschen gab, haben die Aborigines sie gegen Autos, die vorbei fuhren, geschleudert – oder versucht, sich mit Scherben zu ritzen. Oder gar die Pulsader aufzuschneiden.“ Alkohol ist bis heute ein großes Problem.

Wie auch die Gewalt. Im Februar 2009 entwickelte sich ein Familienstreit zu einer wahren Straßenschlacht. Bewaffnet mit Bumerangs, Messern und Schlagstöcken, gingen die Kontrahenten aufeinander zu, bis es der Polizei gelang, die streitenden Parteien zu trennen. Fast schon makaber wirkt da der Gründungsmythos, den die Einheimischen über die Gründung von Tennant Creek erzählen. Genau hier sei ein Biertransport zu Bruch gegangen. Da hätte man bleiben und das Bier retten müssen…

Indigenes Erbe

13 Stämme der Ureinwohner leben rund um Tennant Creek. Im Nyinkka-Nyunyu-Kulturzentrum, das die Warumungu betreiben, lässt sich neben traditionellem Erbe auch indigenes Kunsthandwerk von heute entdecken. Der Garten stellt einheimische Pflanzen vor und traditionelles „bush tucker“, Speisen aus dem Outback: Buschbananen, Buschkartoffeln, Buschsultanas, Buschorangen, Heil- und Würzkräuter sowie Gewürze. Eröffnet wurde das Kulturzentrum 2003 ganz in der Nähe einer heiligen Stätte des Stammes – der Heimat der Nyinkka, eines Goanna mit stacheligem Schwanz.

Von Mai bis September fahren die indigenen Guides des Kulturzentrums mit kleinen Besuchergruppen hinaus ins Outback und stellen ihren Lebensraum auf Halbtagestouren vor. Mit zum Programm gehört ein Haufen großer Felskugeln, die auf den Postkarten stets riesig wirkten, fast wie kleine Berge: die Devils Marbles, die Murmeln des Teufels.

Teufelsmurmeln oder Schlangeneier?

Die örtlichen Aborigines indes nennen sie „Karlu Karlu“, und sehen in den Felsblöcken, die wie hingeworfen wirken in den weiten australischen Busch mit seinen versprengten Eukalypten, die Eier der Regenbogenschlange. Und tatsächlich ähneln die erodierten Felsen von ihrer Form eher Eiern, zumindest viele von ihnen. Tatsächlich liegen sie jedoch nicht, wie in einfachen Karten markiert direkt am Highway, sondern etwas abseits – eine asphaltierte Stichstraße führt dorthin – mit einem Stellplatz für Caravans und Zelte direkt an den Marbles!

Wer mit dem Ghan nach Tennant Creek kommt – seit 2004 hält hier der legendäre Zug – lässt sich im klimatisierten Bus zu den berühmten Kugeln kutschieren. Und wieder zurück in die klimatisierten Waggons. Achtung: Verwechselt die Devils Marbles nicht mit den Devils Pebbles! Die kleinen und großen Granitfelsen verstecken sich elf Kilometer nördlich von Tennant Creek bei einer Kiesgrube – und sind mit Draht und einem Gate abgesperrt.

Paddelspaß mit Pfau

Beliebter als Ausflugsziel ist 5 km nördlich von Tennant Creek der künstlich aufgestaute See „Tingkkarli“ oder Lake Mary Ann. Perlhühner, Pfaue und Enten watscheln am Ufer durchs Gras, nur wenige Meter von den Picknicktischen an den Grillständen entfernt, die hier für alle, die baden oder paddeln wollen, aufgestellt wurden. Sobald die Sonne untergegangen ist, wird die Freizeitanlage am See geschlossen.

Wir fahren danach auf dem Asphaltband des Highways weiter gen Süden, hin zu einem kaum bekannten, 1993 eingerichteten Nationalpark:  lytwelepenty oder Davenport Range National Park, zu dem vom Stuart Highway zwei unbefestigte Straßen hinführen, die wirklich nur für Allrad geeignet sind – wie auch der 1.120 Quadratmeter große Park im Dreiländereck der Waramungu, Alywarre und der Kaytete-Aborigines.  

Beuteltiere: von mini bis XXL

Abseits von großen Flüssen gelegen, ist der Park durch seine vielen Wasserlöcher ein wichtiges Rückzugs- und Transitgebiet für Vögel geworden. Und Heimat vieler exotischer Beuteltiere – von Schmalfuß-Beutelmäusen (dunnarts), die sich zum Schlafen gerne in Felsspalten verstecken, Breitfuß-Beutelmäusen (antechinus), Nagelkängurus (nail-tail wallaby), Brillen-Hasenkängurus (spectacled hare-wallaby) und Bergkängurus (wallaroos) bis zu Riesenkängurus, die bis zu 1,80 m hoch werden. Mitunter sieht man auch wilde Esel oder streunende Rinde beim bush walking, das hier seinem Namen wirklich Ehre macht: Es geht wirklich kreuz und quer durch den Busch – markierte Wanderwege fehlen bislang.

Wellensittiche am Waterhole

Ein beliebtes Ziel ist das Old Police Station Waterhole, ein Wasserloch, das stets Wasser führt. Früher, als die Region noch Weideland war, dann Minenarbeiter Wolfram, Wismut, Gold und Kupfer aus der Erde holten, gab es hier einen Außenposten der Regierung – heute findet ihr nur einen sehr einfachen Zeltplatz mit rudimentärer Infrastruktur: Holzplattformen, Feuerstelle und zwei Toiletten auf dem Hügel. Ihn erreicht ihr auf dem Frew River Loop, einer anspruchsvollen Offroadpiste, die ihr nur mit Erfahrung in Angriff nehmen solltet. Dann aber erwarten euch Wildnis pur – und Wellensittiche als Gäste.

Barkly Region: meine Infos

Lage

Die Barkly Region gehört mit 8.137 Einwohnern zu den am dünnsten besiedelten Gebieten Australiens und nimmt ein Fünftel der Landmasse des Northern Territory ein – ein weites Gebiet rund um Tennant Creek bis zur Grenze zu Queensland. Typisch für die Region sind riesige Rinderfarmen und Goldrausch-Erbe, das sich zwischen dem goldenem Mitchellgras versteckt.

Hinkommen

Auto

über den Stuart Highway; 450 km bis Alice Springs, 900 km bis Darwin. 2300 km bis Sydney

Bahn

The Ghan, Preise und Strecke: www.greatsouthernrail.com.au/trains/the-ghan

Flug

Tennant Creek Airport, www.tennantcreekairport.com.au. Verbindungen mit Air North nach Darwin, Katherine und Alice Springs, www.airnorth.com.au

Bett, Bier, Benzin & Barra

Barkly Homestead

Tablelands Hwy, Tennant Creek NT 0862, www.barklyhomestead.com.au, Tel. 08 8964 4549, frisch renoviertes Motel mit komfortablen Einzel- und Doppelzimmern, ferner einfache Hütten (cabins) und Caravanstellplätze; Bar & Grill – Highlight auf der Karte ist der gegrillte Barramundi mit knackigem Salat. Das „Barkly Bigh Brekky“ (Frühstück) macht für den Tag satt.

Renner Springs Desert Inn

CMB 7, Renner Springs NT 0862, Tel.  08 8964 4505, www.rennerspringshotel.com.au, 27 Motelzimmer, einige behindertengerecht bzw. Familienzimmer, sowie Caravanstellplätze, Bar, Restaurant und kleine Lagune mit reichem Vogelleben. 5 km entfernt lockt Lubra’s Lookout mit Weitblick über das Weideland.

Threeways Roadhouse & Tourist Park

Ecke Stuart & Barkly Highways, Tennant Creek, Tel. 08 8962 2744, http://threewaysroadhouse.com.au. Drei Kategorien von Motelzimmern abseits vom Highway, ferner Cabins (einfache Hütten) und Caravanstellplätze, kleiner Pool. Ordentlicher Imbiss.

Unterkünfte in Tennant Creek

Bluestone Motor Inn

1 Paterson St, Tennant Creek NT 0860, Tel. 08 8962 2617, www.bluestonemotorinn.com.au. 65 Zimmer – Haustiere sind willkommen! Schöner Pool mit einigen Palmen im Garten; Anne’s Restaurant servierte Traditionelles und bereitet auf Bestellung Picknick-Lunches zum Mitnehmen zu. 

Goldfields Hotel & Motel

113 Paterson St, Tennant Creek NT 0860, Tel. (08) 8962 2030
E-Mail goldies1@chariot.net.au, kein www.! Lasst euch nicht von der Rezeption an der Bar täuschen – die Zimmer sind top, und nach hinten raus auch ruhig.

Auskunft

Battery Hill, Peko Road, Tennant Creek, Free Call (nur in Australien): 1800 500 879, sonst 08 8962 1281, www.barklytourism.com.au

 

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