Kidogo Arthouse: Inkubator für indigene Kunst 1


Ihre Haare sind eine rotblonde Mähne, die ein forsches Gesicht umhüllen; ihre Stimme ist voller Leben: Joanna Robertson ist eine Frau, die auffällt – und jeden anspricht, der durch die Tür des Kidogo Arthouse in Fremantle schreitet. Kontakten, networken und Menschen für ihre Arbeit zu faszinieren, ist ihr in Fleisch und Blut übergegangen. Wie die Neugier auf die Welt und andere Kulturen. Und auch das wurde ihr in die Wiege gelegt. Joanna ist eine umtriebige Künstlerin und Kunstlehrerin, die in Tansania aufwuchs, in Dublin das National College of Art and Design besuchte, ein zweijähriges „Visiting Artist’s Program“-Stipendium der North Carolina Arts Council’s in den USA erhalten und 2007 als artist-in-residence auf dem legendären russischen Eisbrecher Kapitän Klebnikov in the Arktis gearbeitet hat. Und ganz nebenbei führten ihre Wege auch nach Australien, wo sie 1993 eine unabhängige Kunstschule gründete – und 1998 das Kidogo Arthouse.

Sein Domizil ist ein ehemaliges Warenlager für gefährliche Güter, das 1884 Harwood & Son am Rande des Bathers Beach von Fremantle erbaute. Kerosin und andere Hafengüter lagerten dort im Laufe der Jahre, ein Schiffbauer nutzte es als Werkstatt, bis 1972 die Spitzhacke drohte und der inzwischen denkmalgeschützte Bau nur knapp dem Abriss entging. Seine Wiedergeburt als Kulturzentrum begann 1975 mit der Eröffnung des Töpferstudios von Joan Campbell. Unter der Ägide von Joanne Robertson waren seitdem mehr als 200 Ausstellungen dort zu sehen, wurden unzählige Hochzeiten und Events abgehalten – und hat sich der Sandsteinbau zu einem der wichtigsten regionalen Kulturzentren und Inkubator der indige nen Kunstszene der Stadt entwickelt. Aborigines wie Darren Stockwell, Wendy Hayden, Herbert Marshall, Sharyn Egan, Phillip Doughty, Dora Parfitt, John Buckley und Tim Winmar haben hier Raum und Unterstützung für ihre künstlerische Entwicklung erhalten, Karen Mindemarra ihre Landschaften gemalt. 

WA_Kunst_Aborigines_Fremantle_Kidogo_deborah-bonar_©Hilke MaunderLandesweit bekannt ist inzwischen Deborah Bonar, Preisträgerin des Cossack Art Award und Finalistin des 23. Telstra National Aboriginal and Torres Strait Islander Art Award. Für das Fiona Stanley Hospital schuf sie das Welcome to Country-Kunstwerk, für die Cooling Brothers das Wandbild Munday Wall. Wie bei den meisten indigenen Künstlern sind ihre Arbeiten tief in ihrer Heimat verwurzelt, der Kimberley-Region im Norden Westaustraliens. Ihre Arbeiten – wie die vieler anderer Künstler – waren im Juli 2013 auch im neuen Terminal 2 des Flughafens Perth im Rahmen der NAIDOC Aboriginal Art Exhibition zu sehen.

Info Kidogo Arthouse, Bathers Beach, Fremantle WA 6160, Tel. (08) 93 35 96 36, www.kidogo.com.au


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ein Gedanke zu “Kidogo Arthouse: Inkubator für indigene Kunst